12.02.2013 09:42 Alter: 6 yrs

Allein an Bord unter lauter Seemännern

OZ-Serie (48) Maike Brinker arbeitet als einzige Schiffsmechanikerin beim Emder Schlepp-Betrieb   Sie machen Schiffe fest, verstauen Ladung, überwachen Tag und Nacht Schleusen, kümmern sich um Seeleute und bringen Urlauber nach Borkum - die Männer und Frauen, die im Emder Hafen arbeiten. In einer Serie stellt die OZ die Menschen und ihre Berufe vor. Heute: Schiffsmechanikerin Maike Brinker. VON HEIKO ABBAS


Emden - Gehörig auf Zack sein. Das ist die Grundvoraussetzung, um überhaupt auf einem Schiff arbeiten zu können, sagt Maike Brinker. Die Moormerländerin muss es wissen, denn sie arbeitet bereits seit über drei Jahren als Schiffsmechanikerin. „Aber man braucht auch ein dickes Fell. Gerade als Frau“, meint die 23-Jährige weiter. Derzeit arbeitet sie auf dem Schlepper „Finn“ des Emder Schlepp-Betriebs. 
Zuvor war sie auch schon bei der AG Ems auf einer Fähre unterwegs und auf einem Rettungskreuzer der Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Begonnen hat sie ihre Ausbildung beim Wasser- und Schifffahrtsamt. Überall war sie die einzige Frau in den Maschinenräumen. „Da muss man sich hin und wieder schon einen Spruch anhören.“ Das lege sich nach einiger Zeit aber wieder. „Wenn sich die Männer daran gewöhnt haben, dass ich genauso viel drauf habe.“ 
Wenn sie jetzt mit ihren Arbeitskollegen auf der „Finn“ in den Einsatz geht, muss sie die Schleppleinen festmachen, die Winden überwachen und den Abstand zum abgeschleppten Schiff per Handzeichen an den Kapitän weitergeben. „Die meiste Arbeit haben wir aber, wenn wir an der Pier liegen.“ Dann stehen Arbeiten auf dem Programm wie Roststellen an Deck ausbessern, abschleifen, färben und Winden abschmieren. Auch im Maschinenraum ist vieles zu tun: „Da überprüfen wir regelmäßig Leitungen und Sicherungen, tauschen alte oder defekte Teile aus.“ Da müsse man manchmal schrauben, bis man den Fehler finde. Am unangenehmsten sei das Auseinanderbauen der Fäkalienanlage, sagte Maike Brinker. „Das ist immer eine Sauerei und stinkt fürchterlich.“ Aber das gehöre eben auch dazu. 
Die Idee, zur See zu fahren, hatte Maike Brinker schon früh. „Mein Vater war Schiffsmechaniker und ist jetzt Kapitän. Ich fand Schiffe schon immer faszinierend. Das liegt bei uns in der Familie.“ Dabei habe der Vater ihr sogar davon abgeraten. „Aber ich wollte das trotzdem.“ So begann Maike Brinkers Karriere auf dem Wasser bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. „Dort habe ich als Freiwillige gearbeitet. Das war enorm spannend, und da hat es mich gepackt.“ Am schönsten sei es, wenn man morgens bei Sonnenaufgang rausfahre. „Und auch wenn es nur bis zur Abholposition der Schiffe geht, die wir abschleppen sollen, ist das jedes Mal ein tolles Gefühl.“ 
Auf große Fahrt will Maike Brinker aber nicht gehen. „Da bin ich dann so lange von meinem Freund und der Familie getrennt, das wäre nichts für mich.“ Da arbeite sie lieber weiter im Emder Hafen. „Ich fühle mich hier wohl, habe tolle Kollegen und freue mich jedes Mal, wenn wir rausfahren.“